Geständnisse eines Hörbuch-Junkies
Seit 2004 begleiten mich Hörbücher regelmäßig in meinem Leben. Ich höre tatsächlich sehr viel mehr als ich lese. Aber wie kam es dazu? Wie wurde diese Leidenschaft entfacht? Denn Tatsache ist: Hörbücher sind und bleiben eine absolute Bereicherung für mich, weswegen ich diese Liebeserklärung verfasst habe.
04. Oktober 2022

Tatsächlich kann ich mich noch sehr genau daran erinnern, wie meine Liebe zu Hörbüchern begann. Wir schreibend das Jahr 2004. Damals hatte ich gerade mein Lehramtsstudium begonnen und pendelte täglich mit dem Auto nach Köln. Schnell stellte ich zwei Dinge fest: Erstens, dass ich neben dem Studium wenig Zeit zum Lesen hatte (was ein wenig unpraktisch ist, wenn man Literaturwissenschaften studiert) und zweitens, dass ich sehr viel Zeit im Auto verbrachte, die nicht wirklich sinnvoll genutzt wurde. Man muss nicht sonderlich schlau sein (was ich ohnehin nicht bin), um beide Erkenntnisse sinnvoll zu kombinieren: Hörbücher!

Die Stadtbibliothek als rettende Lösung
Einen Haken gab es allerdings noch: die Kosten. Damals waren Hörbücher noch als Audio-CDs verfügbar, meist als 4er-, 5er-, 6er- oder sogar 8er-CD-Set. Die kosteten damals in der Regel um die 15 Euro, konnten aber auch teurer sein. Also meldete ich mich schnell in der Stadtbücherei Köln an, deren Mitgliedschaft für mich als Student damals kostenlos war, soweit ich mich erinnere. Außerdem konnte man Wunschtitel per Internet reservieren. Tja, und so kam es, dass ich regelmäßig in die Bücherei fuhr und mir zwei bis drei Hörbücher auslieh. Eines der ersten war „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“, geschrieben von Mirjam Pressler und grandios gelesen von Eva Gosciejewicz. Dieses Werk war tatsächlich ein Wendepunkt in meinem Leben, weil es einerseits meine Leidenschaft für Hörbücher entfachte und mich andererseits inspirierte, irgendwann einmal selbst ein Buch schreiben zu wollen. Bis heute gehören sowohl dieses Buch als auch die Sprecherin zu meinen absoluten Favoriten.

Hörbücher fürs Studium und privat
Ab da gab es für mich kein Halten mehr. Ich lieh mir Titel aus, die mich privat interessierten, aber auch viele Werke, die ich fürs Studium benötigte. Die Stadtbücherei Köln hatte damals ein wirkkich großes Sortiment - es gab zahlreiche Hörbücher sogar in englischer Sprache, sodass ich auch für Anglistik vieles hören konnte.

Gekürzte Audio-CDs
Irgendwann war das Studium dann vorbei, doch die Liebe zu Hörbüchern blieb. Ich pendelte nun woanders hin, befand mich im Berufsleben, verdiente Geld und begann fleißig Hörbücher zu kaufen (da die Stadtbibliothek Köln auch nicht mehr auf meinem Weg lag). Das war etwa 2008. Wie oben schon erwähnt, war das noch die Zeit, als es Hörbücher auf CDs gab. Daher waren viele Werke stark gekürzt, weil die Laufzeit pro CD standardmäßig auf 74 Minuten begrenzt war. Aus Kostengründen versuchte man die Anzahl der CDs so gering wie möglich zu halten. Und ganz ehrlich: Diese Zeit vermisse ich ein wenig, denn ich bin ein recht ungeduldiger Hörer und Leser. Ich finde, dass es vielen Büchern guttäte, wenn sie ein wenig kürzer wären. Aber das ist nur meine, sehr subjektive Meinung.

Das Medium ändert sich
In den letzten Jahren rückte das Medium CD dann immer weiter in den Hintergrund. Heutzutage werden diese kaum noch von einem Hörbuch angefertigt, sondern meist gibt es nur noch Downloads oder Streamings. Dies ist auch der Grund, weswegen Hörbücher heute in der Regel ungekürzt angeboten werden. Die Länge des Werks spielt nur noch eine untergeordnete Rolle -- vor allem spart man sich nun den Lektor, der das Skript aufwendig und fachkundig kürzen muss. Aber das Ganze hat auch einen tollen Vorteil: Es gibt inzwischen weitaus mehr Hörbücher als früher, weil die Kosten nicht mehr so hoch sind. Natürlich, diese müssen immer noch aufwendig mit einem professionellen Sprecher/innen vertont werden, aber eben die teure Pressung der CDs entfällt.

Hörbücher im Alltag
Inzwischen bin ich mehr denn je Hörbuch-Junkie. Nachdem die langen Autofahrten zur Arbeit irgendwann (zum Glück) aufhörten, ging mein Konsum zunächst ein wenig zurück. Aber auch zu Hause gibt es Tätigkeiten, die viel Zeit in Anspruch nahmen, bei denen ich aber nicht viel nachzudenken brauchte: wie das Kochen beispielsweise. Also dachte ich mir dasselbe wie damals schon bei meinen Autofahrten. Wieso nutzt du diese Zeit nicht für ein Hörbuch? Gesagt, getan. Seitdem koche ich nur noch selten, ohne dass nebenbei ein Buch über die Kopfhörer läuft. Dabei greife ich im Grunde auf dieselben Genre zurück, die ich auch lese: sehr gern Belletristik (ich finde, dass sich humorvolle Titel ausgezeichnet für Hörbücher eignen), aber auch (Auto-)Biografien oder mal etwas Ernstes.

Die eigenen vertonten Bücher
Seit etwas weniger als einem Jahr gibt es nun übrigens auch meine „Klugscheißer“-Trilogie als Hörbücher. Die Bücher selbst sind bei Piper erschienen, die vertonte Version stammt allerdings von den Media Paten, die schon länger Hörbücher produziert haben, seit kurzem diese aber auch selbst verlegen. Es ist wahrscheinlich überflüssig zu erwähnen, wie begeistert ich von diesen Neuigkeiten war. Denn es kam so, wie ich es erwartet hatte: Der „Klugscheißer“ gewann auf einmal viele, neue Fans. Denn ich glaube, es gibt eine ganze Menge Leute, die ebenfalls keine Zeit haben, regelmäßig zu lesen, sich aber dennoch sehr für Literatur interessieren.
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Über den Autor: Thorsten Steffens

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