Die richtige Literaturagentur finden
Beim #Autorensonntag auf Instagram ging es im Juni 2020 um die Frage, wie man den richtigen Verlag bzw. die richtige Literaturagentur findet. Nebst dem Verfassen meines eigenen Beitrags las ich begeistert die Erfahrungsberichte der anderen Autorinnen und Autoren. Dabei stellte ich fest, dass es teilweise noch viele offene Fragen gab. Grund genug für einen kurzen Artikel hier auf meinem Blog, der hoffentlich nicht nur für Schreibende, sondern auch für alle anderen, interessant ist.
23. Juni 2020
Foto: Suzy Hazelwood (Pexels)
Selbstverständlich kann – und möchte – ich hier nur von meinen eigenen, subjektiven Erfahrungen berichten. Daher ganz kurz zur Vorgeschichte: Im Oktober 2017 hatte ich gerade das Manuskript für mein erstes Jugendbuch beendet und war nun auf der Suche nach einer geeigneten Literaturagentur. Mein Buch hatte damals den Titel „Sitzenbleiben für Anfänger“, wurde aber später vom Verlag in „Dann bleib ich eben sitzen!“ umbenannt. Ihr seht also schon – dieser Erfahrungsbericht hat ein Happy End.

Nachfolgend habe ich versucht, die meisten Fragen zu beantworten, die mir zu diesem Thema in den letzten zwei Jahren immer wieder einmal per Mail oder auf Instagram gestellt wurden.

Zunächst einmal: Was sind denn überhaupt Literaturagenturen?
Zugegeben, als ich mit dem Schreiben begann, wusste ich nicht einmal, dass sie überhaupt existieren. Naiverweise dachte ich, dass man als Autor (oder Autorin) irgendwann das fertige Buch an einen Verlag schickt und dieser es sich in Ruhe anschauen würden. Tja, ganz so ist es allerdings leider nicht immer. In der Regel sind es eben Literaturagenturen, die den Verlagen ein Manuskript anbieten und anschließend auch die Verträge aushandeln. Sie fungieren quasi als Manager für Autorinnen und Autoren.

Wieso gibt es denn Literaturagenturen?
Im Grunde gibt es Vorteile für alle Beteiligten:

Als Autor muss ich mich nicht mit Paragrafen herumschlagen und habe jemanden, der mich repräsentiert. Gerade bei Verhandlungen kann dies meiner Meinung nach ein entscheidender Vorteil sein. Zudem kennen sich Literaturagentinnen und -agenten mit den üblichen Konditionen aus. Sie wissen, wann ein Vertrag fair oder weniger fair ist.

Aber auch für Verlage gibt es Vorteile: Literaturagenturen treffen im Grunde schon eine Vorauswahl. Sie wissen, was die Verlage gerade suchen und welche Stoffe funktionieren. Somit sind die angebotenen Manuskripte in der Regel nie völliger Murks.

Und die Literaturagenturen selbst verdienen natürlich an den Einnahmen der Autorinnen und Autoren (in der Regel sind dies zwischen 10 und 20 Prozent).

Wie bewirbt man sich bei den Agenturen?
In der Regel sendet man den Agenturen eine E-Mail, in der man sich selbst und das Buchprojekt kurz vorstellt (das ist der sogenannte Pitch, d.h. eine kurze Zusammenfassung des Buches in 2-3 Sätzen). Dieser Mail hängt man eine Leseprobe und ein Exposé an. Im Exposé fasst man das ganze Buch auf ca. 2 bis 3 Seiten zusammen (inklusive des Schlusses).

Auf der Website der Agenturen findet man konkrete Angaben, was genau gewünscht ist. Der Umfang der Leseprobe kann beispielsweise von 5 bis 50 Seiten variieren.

Etwas prekär ist es, wenn die Agentur schon in der Bewerbungsphase bestimmte Ansprüche stellt: Es gibt Agenturen, die möchten, dass man ein Buchprojekt nur ihnen exklusiv anbietet. Andere wiederum – so wurde es mir zumindest auf Instagram berichtet (ich selbst bin damals, als ich eine Agentur gesucht habe, zum Glück nicht über solch einen Passus gestolpert) – möchten, dass man ihnen auflistet, bei welchen anderen Agenturen man sich außerdem beworben hat.

Wie stelle ich mich und mein Buch vor?
Ich habe stundenlang an der Formulierung für meine Mail gebastelt. Ich dachte mir: Du bist Autor. Es ist dein Job, dich gekonnt auszudrücken. Also solltest du eine Mail schicken, die alle vom Hocker reißt. Nun, was soll ich sagen? Auch nach etlichen Tagen hatte ich keinen originellen Bewerbungstext zustande gebracht, sodass ich mich schließlich auf einen Standardtext beschränkte.

Um allen Schreibenden Mut zu machen, die in einer ähnlichen Situation feststecken, habe ich nachfolgend einmal den Originaltext meiner Bewerbungsmails kopiert. (Spoileralarm: Letzten Endes gab es Angebote von drei Agenturen – also war dieser Standardtext zumindest kein K.o.-Kriterium.)

Sehr geehrte Frau XY,

ich möchte Ihnen gerne das Manuskript meines ersten Jugendbuches anbieten, das den Titel „Sitzenbleiben für Anfänger“ trägt.
Es ist ein teils humorvolles Buch mit einem Umfang von 135 Normseiten. Mit seinem knappen Umfang und den kurzen Kapiteln richtet es sich vor allem an lesefaule Jugendliche.

In meinem Buch geht es um den 16 jährigen Protagonisten Tim, der gerade die neunte Klasse wiederholt. Da seine Noten nach wie vor nicht besser geworden sind, droht seine Mutter ihm eines Tages mit den Worten: »Wenn du dieses Jahr wieder sitzenbleibst, kannst du zu deinem Vater ziehen!«
Ein wenig verstört fragt Tim sich, ob das Leben bei seinem Vater denn so viel schlimmer sein würde als bei seiner Mutter, mit der er sich sowieso jeden Tag wegen seiner Noten streitet. Und so ist sein Entschluss gefasst, in diesem Schuljahr absichtlich sitzenzubleiben!

Falls Sie neugierig geworden sind, schauen Sie doch einfach in die beigefügte Zusammenfassung und/oder Leseprobe der ersten sieben Kapitel. Es ist bisher noch keinem Verlag angeboten worden.

Abschließend möchte ich Ihnen noch ein paar Informationen zu meiner Person nachreichen: Geboren wurde ich im Jahr ...

Falls ich Ihr Interesse wecken konnte, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen.

Vielleicht ist dieser Text ja für einige hilfreich und ihr könnt ihn als Vorlage für eure eigenen Bewerbungen verwenden.

Was tun, wenn der „Diva-Faktor“ schon am Anfang zu hoch ist?
Weiter oben habe ich es schon erwähnt. Ich bin damals ein wenig blauäugig an die ganze Sache herangegangen. Ich habe mir die Liste aller Agenturen angesehen und mir meine „Wunschagentur“ herausgesucht. Und siehe da: Es war tatsächlich eine dieser Agenturen, die wollte, dass man sich nur exklusiv bei ihnen bewirbt. Naiv wie ich war, habe ich das sogar gemacht. Aber das Beste kommt noch: Die Agentur hat sich niemals bei mir gemeldet. Auf der Website hieß es, dass wenn man nach, ich glaube, 30 Tagen keine Antwort erhält, es auch kein Interesse gebe. Nun stelle man sich eimmal vor, jede Agentur hätte solche Anspräche – wie lange würde da die Suche nach einer Agentur dauern?

Ganz ehrlich, heutzutage würde ich mich nicht mehr bei solchen Agenturen bewerben.

Wie verlief meine Bewerbungsphase?
Nachdem ich von meiner „Wunschagentur“ nach drei Wochen nichts gehört hatte, beschloss ich kurzerhand nun einen Rundumschlag zu machen. Ich suchte mir alle Agenturen heraus, die Jugendliteratur vermittelten. In meiner Mail gab ich lediglich an, dass mein Projekt noch keinem Verlag angeboten wurde (zu anderen Agenturen schrieb ich nichts).

Und so sah meine Bilanz aus:
  • ich habe 24 Agenturen angeschrieben
  • 3 Agenturen waren an einer Zusammenarbeit interessiert
  • 11 Agenturen schickten eine Absage
  • 10 Agenturen meldeten sich nicht zurück
Wie lange brauchten die Agenturen für ihre Entscheidung?
Die Reaktionszeiten der Agenturen waren sehr unterschiedlich. Die ersten beiden Absagen trudelten schon nach einem Tag ein: Eine Agentur führte inzwischen keine Jugendliteratur mehr, die andere schickte eine detaillierte Begründung für ihre Absage. Die letzte Abgsage erhielt ich zehn Wochen später.

Die erste Agentur, die mit mir zuzsammenarbeiten wollte, war mein jetziger Agent. Er meldete sich telefonisch zwölf Tage nachdem ich ihm meine Bewerbung geschickt habe. Die Chemie stimmte von Anfang an und bis heute habe ich die Zusammenarbeit nie bereut.

Eine zweite Agentur, die Interesse an diesem Buchprojekt hatte, meldete sich ca. zwei Wochen später. Schließlich erhielt ich ein halbes Jahr später noch ein weiteres Angebot für eine Zusammenarbeit von einer dritten Agentur. Zu diesem Zeitpunkt war das Buch allerdings bereits an einen Verlag vermittelt.

Braucht man denn unbedingt eine Agentur?
Nein. Ich höre immer wieder von Autorinnen und Autoren, die Verlage direkt angeschrieben haben und ein Angebot erhielten. Meine Erfahrung war da allerdings ein wenig anders. Als ich 2009 mein Manuskript für „Klugscheißer Royale“ bei verschiedenen Verlagen anbot, stellte sich schnell heraus: Mein Exposé wurde ganz oft nicht gelesen. Erst als ich gezielt einige Lektorinnen anschrieb, bekam ich auch persönliches Feedback. Mit anderen Worten: Eine Literaturagentur kann eine Eintrittskarte zu den großen Publikumsverlagen sein.

Allerdings sollte auch nicht unerwähnt bleiben: Auch wenn man von einer Agentur vertreten wird, ist dies noch keine Garantie für einen Buchvertrag. Auch hier kann ich von eigenen Erfahrungen berichten. 2011 wurde ich von einer Berliner Agentur vertreten, an die ich tatsächlich durch Zufall geraten war. Sie boten den „Klugscheißer“ seiner Zeit vielen Verlagen an – allerdings leider ohne Erfolg.

Kannst du mir sonst noch irgendwie Mut machen?
Allerdings. Mein Werdegang ist wahrscheinlich ein gutes Beispiel dafür, das man niemals aufgeben sollte. Ich glaube ganz fest daran, dass Dinge dann passieren, wenn sie passieren sollen. 2009 und 2011 war die Zeit für den „Klugscheißer“ einfach noch nicht gekommen. Heute glaube ich, dass ich in den folgenden Jahren menschlich noch reifen musste und dass es deswegen in den ersten beiden Anläufen nicht geklappt hatte. Als ich 2017 dann einen neuen Versuch mit meinem Jugendbuch startete, fügte sich auf einmal alles zusammen: Ich fand sehr schnell den richtigen Agenten, der im Handumdrehen nicht nur einen Verlag für meim Jugendbuch fand, sondern auch noch den „Klugscheißer“ bei Piper platzieren konnte. Besser hätte es kaum kommen können.


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